Winter

Langsam inhaliere ich den Rauch meiner Zigarette, höre wie sie leise knistert und rieche den herben Duft des schweren Tabaks. Ich halte den Rauch in meiner Lunge und schmecke den bitter süßen Geschmack. Ich atme aus. Aufmerksam betrachte ich, wie der Rauch meinen Mund verlässt und langsam in die neblige Nacht aufsteigt. Es ist kalt, doch ich friere nicht.

Ich befinde mich in einem Zustand, vollkommener Gleichgültigkeit. Als wäre ich betäubt, allen meinen Sinnen beraubt. Ich höre ein Pärchen, dass fröhlich lachend vorbei schlendert.

Es ist der 26.12.,  Samstagnacht gegen 2 Uhr morgens und es ist kalt, doch ich friere nicht.

Ich nehme die Zigarette zwischen meinen Zeigefinger und meinen Daumen und schnipse sie fort. Zischend kommt sie in einer Pfütze auf und die Glut erlischt.

Ich lasse meine Hände in die Hosentaschen gleiten und laufe los. Ziellos. Das grelle orange Licht der Straßenlaternen wirft meine Silhouette auf den nassen Asphalt. Es hat Tagelang geregnet. Dumpf höre ich meine Schritte durch die Straßen hallen, wie einen schwachen Herzschlag. Der Takt meines Lebens. In der Ferne bellt ein Hund und der Mann auf der anderen Straßenseite zieht seinen Mantel enger.

Plötzlich höre ich das Rauschen des Ozeans und erblicke den menschenleeren Strand. Langsam fast schon mechanisch, ziehe ich mich aus. Säuberlich falte ich meine Kleidung zusammen und lege sie in den Sand.

Ich schließe die Augen und Atme einmal tief ein und aus, dann laufe ich los.

Wie ein Becken voller Scherben fühlt sich das eisig kalte Wasser an, doch ich gehe weiter. Ich weiß nicht mehr wie lange ich schon schwimme, doch den Boden unter den Füßen habe ich schon lange verloren. Ich sehe mich um, doch zu sehen ist nichts als endlose Dunkelheit. Langsam blase ich die Luft aus und sinke immer tiefer. Als würde ich schweben. Ich öffne die Augen und betrachte das pechschwarze Wasser um mich herum. Ich fühle mich unendlich frei. Ich nehme einen tiefen Atemzug. Kurz bevor das Wasser meine Lungen füllt, lächle ich.

Es ist Kalt, doch ich friere nicht.

Nie wieder.

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